Premiumdienste des Bayerischen Blindenhunde Service

Championsleague-Spiel am Freitagabend! Unsere Männer sind in der Kneipe und wir zwei Ehefrauen halten bei Salat und amerikanischen Fernsehserien Zuhause die Stellung.

Noch ist es ruhig, aber das ist die Ruhe vor dem Sturm. Ein Sturm, der heute Nacht zunächst über unsere Männer und dann über uns hereinbrechen wird. Ein Sturm, der in anderen Beziehungen zu handfesten Streits, Scheidungen und Gerichtsverhandlungen führt. Aber wir beide halten diesem Sturm stand. Denn wir sind stark und verstehen unser Handwerk – das Handwerk des Männnerabholens aus der Kneipe. Denn wir sind die Leistungsträgerinnen für den Premiumservice des Bayerischen Blindenhunde Service!

Jasmin mit Jacky Bayerischer Blindenhunde Service für Premiummitglieder

Meine Freundin Sonja und ich kennen uns seit dem Gymnasium. Mittlerweile sind wir beide verheiratet und haben Kinder. Die wilden Jahre sind vorbei. Wir haben Studenten-WGs gegen Eigentumswohnungen und Bausparhäuser getauscht. Aber wenn unsere Männer in die Kneipe gehen, herrscht meistens Ausnahmezustand. Denn dann sind die höchst qualifizierten Leistungen des Bayerischen Blindenhunde Service gefordert!

Irgendwann Freitagnacht ist es soweit: Mein Handy klingelt. Es ist Jochen, mein Mann – und fanatischer Fußballfan. Ist er es wirklich? Ich bin mir nicht sicher, ich kann seine Stimme nur schwer identifizieren. Seine Freunde grölen im Hintergrund, die Musik dröhnt und Jochen nuschelt. Nein, er nuschelt nicht, er lallt. Wie es uns geht, will er wissen und wir könnten uns jetzt auf den Weg machen. Er sagt noch irgendetwas, aber das verstehe ich nicht. Ich versuche ihm zu erklären, dass wir in 15 Minuten vor der Kneipe auf ihn und Andreas warten.

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Sonja und ich warten. Fünf Minuten Zeitüberschreitung ist für uns nicht die Rede wert. Wir warten weiter. 10 Minuten, 15 Minuten….Genervt greife ich zu meinem Handy und rufe Jochen noch mal an. Es tutet, aber er nimmt nicht ab. Ich versuche es noch mal. Dann erfahre ich, dass sie gerade rauskommen. Zumindest kombiniere ich seine unverständlichen Wortfetzen zu dieser Information. Und tatsächlich. Die beiden kommen aus der Kneipe gefallen. Sie lachen laut, während Jochen versucht, seine uralte Jeansjacke anzuziehen und Andreas sich an einem Pflanzengitter festhält, um seine Füße zu sortieren. Die beiden nähern sich dem Auto. Dabei machen sie mehr undefinierbare Ausfallschritte nach links und rechts als nach vorne. Während ich noch darüber rätsele, ob sie gerade Helene Fischer oder doch Herbert Grönemeyer singen, erreichen sie das Auto.

Meine Freundin und ich sitzen vorne. Verzweifelt wünsche ich mir eine dieser Trennscheiben zwischen Fahrgast und Fahrer, wie es sie in Limousinen gibt. Sonjas Blick flucht Bände und in grausiger Erwartung vor der nun folgenden Alkoholfahne rümpft sie die Nase. Die Türen gehen auf und das Auto wackelt, als würde Godzilla persönlich versuchen einzusteigen. Die hereinströmende Luft erinnert mich an die Produktionsräume einer Schnapsbrennerei. Ob ich wohl das Licht einschalten kann, ohne eine Explosion der mit reichlich Alkohol angereicherten Luft fürchten zu müssen? Ich denke nicht weiter darüber nach und starte das Auto. Sonja ist Kindergärtnerin und Mutter von drei Kindern. Aber als sie unsere beiden wildgewordenen Fußball- und Kneipenprimaten dazu bringen will sich anzuschnallen, gerät auch sie an die Grenzen ihrer sonst sehr ausreizbaren Geduld.

Wenn ich an die schreckliche Gestank von Erbrochenem im Auto denke, gleicht die exportierte Kneipenluft den frischen Gerüchen einer Almwiese. Also lautet die Devise: Bloß keinen Fehler machen. Ich steuere den Wagen so langsam und vorsichtig, als würde ich chinesische Ming-Vasen transportieren. Zum Glück beschränken unsere Ehemänner sich darauf, mit höhlenmenschenähnlichen Lauten das Fußballspiel zu diskutieren, anstatt mit uns zu kommunizieren. Eine Viertelstunde später erreichen wir die Wohnung von Sonja und Andreas. Während Sonja auf den letzten Metern zur Haustür einen Eindruck von der Aufgabe bekommt, einen gestrandeten Wal zurück ins Meer zu schieben, kommt Jochen glücklicherweise nicht die Idee, sich nach vorne zu setzen. Zum Glück liegt unser Schlafzimmer ebenerdig. Der Erfolg ist mir sicher und der Sturm überstanden…bis zum nächsten Spezialeinsatz unseres Kneipenabholservices.

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